Operationsindikation
- Dislozierte oder subluxierte Hinterkammerlinse (IOL) nach vorausgegangener Kataraktoperation mit ungenügender Kapsel-/Zonulaunterstützung für eine einfache Reposition
- IOL-Luxation in die Vorderkammer oder in den vorderen Glaskörperraum mit visusrelevanter Symptomatik (Diplopie, Blendung, Visusminderung)
- Sekundärer Kapselsack- bzw. Zonulaverlust mit Notwendigkeit einer alternativen IOL-Fixation
Differentialdiagnose / Kontraindikation
- Floride intraokulare Entzündung oder Infektion (aktive Uveitis, Endophthalmitis)
- Instabile Augenoberfläche — vorgängige Sanierung erforderlich
- Primär posterior disloziertes Kernmaterial bzw. relevante Glaskörperblutung — dann eher posteriore Pars-plana-Vitrektomie indiziert (siehe Guideline „PPV bei dislozierter IOL/Kernfragmenten“)
Alternative Therapie
- Beobachtung bei geringgradiger, asymptomatischer Dezentrierung ohne relevante Visusbeeinträchtigung
- Repositionierung bzw. Refixation der bestehenden IOL (skleral- oder irisfixiert) anstelle einer Explantation, falls Zustand und Lage der IOL dies zulassen
- Primär posteriore Pars-plana-Vitrektomie (PPV) bei zusätzlich disloziertem Kernmaterial im Glaskörperraum
Präoperativ
- Diagnostik: Spaltlampenuntersuchung, Beurteilung der Kapselsack-/Zonulaunterstützung, Biometrie für die Sekundär-IOL, OCT/B-Scan bei unklarer Fundussicht
- Aufklärung inkl. Einverständniserklärung
- Intraoperative Entscheidung zwischen Artisan®-IOL (retropupillär), Sulcus-IOL oder Belassen der Aphakie, abhängig vom intraoperativen Befund
- Risiko eines weiteren Glaskörperprolapses bzw. einer Netzhautkomplikation
- Endophthalmitis-Risiko
- Mögliche Abweichung der postoperativen Refraktion vom Zielwert
- Antikoagulation: Anpassung gemäss hausinternem Standard, Rücksprache mit Zuweiser
Vorbereitung
- Mehrfache mydriatische Augentropfen präoperativ
- Desinfektion Lider/Wimpern/Bindehautsack mit Hibidil®-Lösung
Operationsmaterial
Geräte
- OP-Mikroskop
- Vitrektomiesystem (anteriore Vitrektomie)
Mehrweginstrumente
- Lidsperrer Bangeter
- Häkchen Sinskey (kombiniert mit Chopper)
- Chopper Nagahara
- Artifix-Haltepinzette
- Nadelhalter Castorviejo
Einwegmaterial
- Hibidil®-Lösung
- BSS-Lösung
- Lidocain 1% intrakameral in 3 ml Spritze mit stiumer Kanüle (orange)
- Viskoelastikum (dispersiv und kohäsiv)
- Artisan®-IOL bzw. Sulcus-IOL (je nach intraoperativem Befund)
- Miostat®, Aprokam® (Cefuroxim intrakameral zur Endophthalmitisprophylaxe)
- Ethilon® 10-0 Faden
Operationsvorgang
Tropfanästhesie. Desinfektion der Lider und der Haut. Steriles Abdecken. Einsetzen des Lidsperrers. Desinfektion des Bindehautsackes, Spülen mit BSS. Intrakamerale Gabe von Lidocain 1%. Füllen der Vorderkammer mit dispersivem Viskoelastikum. Parazentesen nasal und temporal. Hauptinzision superior mit zuerst 2.4 mm, dann erweitern auf ca. 6mm.
Injektion von dispersivem Viskoelastikum zum Endothelschutz. Luxieren der dislozierten Hinterkammerlinse und ggf. Kapselspannring in die Vorderkammer mit zwei Dials. Entfernung über die Hauptinzision. Situationsnaht mit Monofil 10-0 (z.B. Ethilon®).
Anteriore Vitrektomie (Maximum bis 2000 cpm, 65 cm), bis Vorderkammer, Irisebene und anteriorer Glaskörperraum frei von Glaskörper sind. Gabe von wenig Miostat®.
Erneutes Stellen der Vorderkammer mit dispersivem und dann kohäsivem Viskoelastikum. Implantation einer Artisan®-IOL zin die Vorderkammer. Ausrichten und Fassen mit der Artiflex retropupillär. Vorsichtige Irrigation-Aspiration der Vorderkammer - Stresstest.
Kontrolle auf Glaskörperreste in den Inzisionen mittels Dreieckstupfer. Verquellen der Inzisionen mit BSS. Intrakamerale Gabe von Aprokam®.
Postoperativ
- Topisches Antibiotikum-Steroid-Kombinationspräparat (z.B. Tobradex® AT 4x/d), über vier Wochen ausschleichen
- NSAR-Augentropfen (z.B. Yellox® AT 2x/d) zur Zystoides-Makulödem-Prophylaxe
- Analgesie (cave: ggf. anpassen an Körpergewicht und Leber-/Nierenwerte)
- Paracetamol 500 mg Tablette 4x/Tag bis 8x/Tag (z. B. Dafalgan®)
- Nichtsteroidales Antirheumatikum (z. B. Mefenaminsäure 500 mg Tablette 3x/Tag oder Ibuprofen® 400 mg Tablette 4x/Tag)
Procedere
- Folgetag: postoperative Kontrolle (Visus, Tensio, Vorderkammerreiz, IOL-Lage bzw. Aphakiestatus), sensibilisieren auf Amotio-Symptome
- 1. Woche: Visus, Entzündungszeichen, Fundoskopie (Ausschluss Netzhautkomplikation nach Vitrektomie), bei hohem Astigmatismus in der Richtung der Nähte (Minus-Zylinder in 180° falls Hauptinzision und Fäden Isuperior)-> denjenigen Faden der mehr gespannt ist entfernen
- 4.–6. Woche: Visus, Funduskopie in Mydriasis, OCT Makula Pupille, Entferneung der Hornhautnähte resp. der restlichen Hornhautnähte
- Regelmässige Fundus-/Netzhautkontrolle im Verlauf nach Vitrektomie (erhöhtes Foramen-/Ablatiorisiko)
Quellen
- EyeWiki (American Academy of Ophthalmology). Dislocated Intraocular Lens.
- Alió JL, et al. Iris-claw intraocular lens for aphakia correction. J Cataract Refract Surg.
- EyeWiki (American Academy of Ophthalmology). Iris Fixation of Posterior Chamber Intraocular Lens.
- Interne Operationsberichte/Protokolle ONO (Explantation dislozierter IOL mit vorderer Vitrektomie und Sekundärimplantation), Augenzentrum ONO AG.