6.9.2026
Lesezeit:
7 Minuten

Behandlung eines Netzhautrisses

Ein rechtzeitig entdeckter Netzhautriss kann mittels Laser oder Kälte behandelt werden – so lässt sich eine drohende Netzhautablösung meist verhindern.

Dr. Valéry Vinzent Wittwer

Wird ein Netzhautriss rechtzeitig entdeckt, kann eine gezielte Behandlung mit Laser oder Kälte eine drohende Netzhautablösung in den meisten Fällen verhindern. Wie ein Netzhautriss entsteht, erfahren Sie in einem separaten Beitrag – hier geht es um die Behandlung selbst.

Argonlaserbehandlung

Für die Behandlung kleinerer Netzhautrisse, die an der Spaltlampe (Biomikroskop) gut untersucht werden können, ist die Argonlaserkoagulation die Methode der Wahl.

Zunächst wird die Augenoberfläche mit Augentropfen betäubt. Anschliessend wird ein spezielles Kontaktglas auf das Auge aufgesetzt, das ähnlich wie eine Kontaktlinse funktioniert und kleine Spiegel enthält. Dadurch kann die Netzhaut bis weit in die äusseren Bereiche genau untersucht werden.

Wird ein Netzhautriss festgestellt, werden gezielte Laserimpulse rund um den Riss appliziert. Der Laserstrahl wird dabei über die Spiegel im Kontaktglas auf die betroffene Stelle der peripheren Netzhaut gelenkt. Durch die entstehenden kleinen Vernarbungen wird die Netzhaut fixiert und das Risiko einer Netzhautablösung vermindert.

Kryokoagulation (Kältebehandlung)

Bei grösseren Netzhautrissen oder Läsionen, die sehr weit in der Netzhautperipherie liegen, ist häufig eine Behandlung mittels Kryokoagulation angezeigt.

Dabei wird der zu behandelnde Netzhautriss zunächst mit einem speziellen Untersuchungsgerät (Kopfophthalmoskop) lokalisiert. Anschliessend wird die Bindehaut im entsprechenden Bereich durch die Injektion eines Lokalanästhetikums betäubt. Danach wird ein gekühlter Metallstift von aussen auf die Augenwand aufgesetzt. Durch die gezielte Vereisung entsteht im Bereich des Netzhautrisses eine kleine Narbe. Diese Vernarbung führt dazu, dass sich die Netzhaut wieder fest mit der darunterliegenden Schicht verbindet und das Risiko einer Netzhautablösung vermindert wird.

Heilungsverlauf und Behandlungserfolg

In den meisten Fällen kann die Netzhautläsion durch die Behandlung erfolgreich stabilisiert und eine drohende Netzhautablösung verhindert werden.

  • Argonlaserbehandlung: Eine stabile Netzhautvernarbung entsteht innerhalb von ein bis zwei Wochen.
  • Kryokoagulation: Die Entstehung einer stabilen Netzhautvernarbung dauert länger, etwa zwei bis drei Wochen.

Risiken und mögliche Komplikationen

Trotz aller Sorgfalt kann es bei einem Eingriff am Auge in sehr seltenen Fällen zu Komplikationen kommen:

  • Direkt nach der Behandlung kann es durch die mechanische Manipulation am Auge zu Fremdkörpergefühl und Tränen kommen. Befeuchtende Augentropfen helfen, diese Symptome zu reduzieren.
  • Das Sehen von kleinen schwarzen Punkten ("Mouches volantes") kann nach der Behandlung zunehmen.
  • Es kann zu einer leichten Entzündung im Auge kommen, die mit entzündungshemmenden Augentropfen behandelt werden kann.
  • Es kann zu kleinen Blutungen am oder im Auge kommen, die das Sehvermögen vorübergehend reduzieren.
  • Je nach Ausmass der Behandlung kann eine bleibende Einschränkung des Gesichtsfeldes oder des Dämmerungssehens auftreten.
  • In seltenen Einzelfällen wurde eine zentrale Fehlbelichtung beschrieben, die einen Sehverlust in der Mitte des Gesichtsfeldes verursachte.
  • An anderen Stellen der Netzhaut können neue Risse entstehen, da die Grundursache – der Zug des Glaskörpers – weiterhin besteht.
  • Selten bleibt die Vernarbung unvollständig, sodass das Risiko einer Netzhautablösung bestehen bleibt.
  • Sehr selten kann trotz der Behandlung eine Netzhautablösung entstehen.
  • Sehr selten entsteht als Nebenwirkung der Behandlung eine feine Membran auf der Netzhaut (epiretinale Membran), die zu verzerrtem Sehen führen und in Einzelfällen eine weitere Netzhautoperation erfordern kann.

Was ist nach der Behandlung zu beachten?

Während der Heilungsphase (ca. 2 Wochen nach Argonlaser, ca. 3 Wochen nach Kryokoagulation) ist die entstandene Vernarbung zunächst noch nicht stabil genug, um die Netzhaut sicher zu fixieren. Deshalb wird in dieser Zeit empfohlen:

  • schweres Heben und starke körperliche Belastungen vermeiden
  • auf Sportarten mit Erschütterungen oder schnellen Bewegungen möglichst verzichten
  • starkes Pressen oder abruptes Bücken vermeiden
  • das behandelte Auge nicht reiben oder drücken
  • die verordneten Augentropfen regelmässig nach Anweisung verwenden
  • die vereinbarten Kontrolltermine unbedingt wahrnehmen

Bitte suchen Sie umgehend eine Augenärztin oder einen Augenarzt auf bei plötzlicher Sehverschlechterung, zunehmenden Lichtblitzen, neuen schwarzen Punkten oder "Russregen", einem dunklen Schatten oder "Vorhang" im Gesichtsfeld oder bei starken Schmerzen resp. deutlicher Rötung des Auges.

Häufig gestellte Fragen - FAQs

Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung eines Netzhautrisses?

Ja, die Behandlung von Netzhautrissen ist im TARDOC-Katalog abgebildet und wird folglich von den Schweizer Krankenkassen übernommen.

Welche Augentropfen benötige ich nach der Behandlung?

Nach einer Argonlaserbehandlung werden in der Regel Optava-Augentropfen 4x täglich für 3 bis 5 Tage angewendet. Nach einer Kryokoagulation werden Optava-Augentropfen 4x täglich für eine Woche sowie zusätzlich Tobradex-Augentropfen 4x täglich für 5 Tage verordnet.

Ist die Behandlung schmerzhaft?

Die Augenoberfläche wird vor der Behandlung betäubt. Während der Laser- oder Kältebehandlung selbst verspüren die meisten Patienten keine oder nur geringe Schmerzen.

Muss ich nach der Behandlung im Spital bleiben?

Nein, sowohl die Argonlaserbehandlung als auch die Kryokoagulation werden ambulant durchgeführt.

Kann sich trotz Behandlung erneut ein Netzhautriss bilden?

Ja, da der ursächliche Zug des Glaskörpers auf die Netzhaut auch nach der Behandlung bestehen bleibt, können an anderer Stelle neue Risse entstehen. Deshalb sind regelmässige Kontrollen wichtig.

Quellen und wissenschaftliche Publikationen:

1. C.P. Wilkinson. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2014: "Interventions for asymptomatic retinal breaks and lattice degeneration for preventing retinal detachment"

2. C.J. Flaxel et al. Ophthalmology (American Academy of Ophthalmology Preferred Practice Pattern). 2019: "Posterior Vitreous Detachment, Retinal Breaks, and Lattice Degeneration"

3. EyeWiki: "Horseshoe or Flap Tear"

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