9.10.2024
Lesezeit:
10 Min.

Diabetische Retinopathie Management

Klassifikation, Management

Dr. Valéry Vinzent Wittwer

Diabetische Retinopathie (DR)

Anamnese

  • Erstdiagnose des Diabetes mellitus und Therapie
    • schlecht eingestellter Diabetes: Zielwert HbA1cca. 7%
  • Arterielle Hypertonie: rigorose Blutdruckeinstellung empfohlen
  • Niereninsuffizienz: nach Nierenwerten fragen
  • Dyslipidämie
  • Schwangerschaft

Differentialdiagnose

Zentralvenenverschluss, Venenastverschluss, okuläres Ischämiesyndrom, Hypertensive Retinopathie, Bestrahlungsretinopathie

Klassifizierung (ETDRS), Management

  • Keine diabetische Retinopathie bei bestehendem Diabetes Mellitus
    • ONO: Jährliche Kontrollen mit OCT M P u. Fotos
    • ONO: Schwangerschaftsdiabetes: Kontrollen in jedem Trimester mit OCT M P u. Fotos
Nicht-proliferative diabetische Retinopathie
  • Leichte nicht-proliferative diabetische Retinopathie (NPDR):
    • Mikroaneurysmen
  • Moderate NPDR, zusätzlich:
    • Netzhautblutungen (20 pro Quadrant in 1-3 Quadranten)
    • Leichte Intraretinale mikrovaskuläre Anomalien (IRMA)
    • Venenkaliberschwankungen in > 1 Quadranten
    • Cotton-Wool-Herde
    • >  Kontrolle in 6 Monaten (26% > PDR, 8% PDRinnerhalb 12 Monate)
  • Schwere NPDR: beim Auftreten von einer derfolgenden Merkmale (= 4-2-1 Regel), zusätzlich:
    • grössere Blutungen und Mikroaneurysmen in 4 Quadranten
    • schwere Venenkaliberschwankungen in mind. 2 Quadranten
    • moderate IRMA in mind. 1 Quadrant
    • > Kontrolle in 4 Monaten (50% > PDR, 15% >PDR innerhalb 12 Monaten)
    • > Fluoreszenzangiographie (FA) ggf. Lockere panretinale ALK
  • sehr schwere NPDR
    • 2 Kriterien der schweren NPDR
    • > Kontrolle in 2-3 Monaten (45% > PDR innerhalb 6 Monaten)
Proliferative diabetische Retinopathie (PDR):
  • Leicht bis moderate PDR
    • Neovaskularisationen (Papille / NVD=Optic Disc
    • > Kontrolle in 2 Monaten
    • > Lockere panretinale ALK
  • Hochrisikogruppe
    • NVD (>1/3)
    • NVD (jede) + präretinale oder Glaskörperblutung
    • NVE (> Papillendiameter (PD)) + präretinaleroder Glaskörperblutung
  • mit klinisch signifikantem Makulaödem (ETDRS):
    • Ödem oder harte Exsudate innerhalb 500um zu Fovea
    • Netzhautverdickug > 1 PD innerhalb 1 PD von Fovea
    • Visusminderung durch Ödem
    • > IVT mit Anti-VEGF nach Treat and Extend
Indikation für IVT bei diabetischem Makulaödem
1. Makulaödem innerhalb von 500um um die Fovea
2. Harte Exudate und Netzhautverdickung innerhalb von 500 um von der Fovea
3. Netzhautödem von über 1 Papillendurchmesser Grösse in 1 Papillendurchmesser Entfernung von der Fovea

Intravitreale Therapie

Low responder: kein genügendes Ansprechen auf Anti-VEGF nach 6-12 Monaten

  • Wechsel auf Ozurdex
  • Kontraindikation (KI) absolut:
    • Bekannte Steroidrespondse
  • KI relativ: 
    • Iridotomie (mögliche Migration von Ozurdex Implantat in Vorderkammer > Endothelzellverlust > Patiente entsprechend aufklären und sensibilisieren auf Symptome
    • Phaker Patient (> Katarakt)

Bei Glaskörperblutung: Pars Plana Vitrektomie (PPV)evaluieren

Quellen: Will's Eye Manual, Eyewiki.org, Blaubuch Inselspital

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