Anamnese
- Schmerzen im Bereich des Auges und frontal, Verschwommenes Sehen, Sehen runder farbiger Halos und Lichter, Übelkeit, Erbrechen
- Winkelblock durch Medikamente induziert
- Topisch
- Acetylcholinesterase-Inhibotoren
- Sympathomimetika (Alpha-1-Agonisten)
- Botulinum Toxin periorbital
- Systemisch
- Sulfonyl-haltige Medikamente (z.B.Antibiotika)
- Antidepressiva
- Topiramat (Migräne-Medikanent)
Aetiologie
Primäres Engwinkelglaukom
Die Linse und die posteriore Iris verlagern sich nach anterior und blockieren so die Pupille, es entsteht ein sogenannter Pupillarblock. Das Kammerwasser, welches im Zilirakörper produziert wird staut sich in der Hinterkammer auf. Dadurch wird die periphere Iris nach anterior gedrückt und das Trabekelmaschenwerk verschliesst sich, so dass das Kammerwasser nicht mehr aus dem Auge abfliessen kann.
Sekundäres Engwinkelglaukom
- Neovaskularisationsglaukom
- Obstruktion durch eine Membran
- Iridocorneal endothelial syndrome ICE
- Posterior polymorphous corneal dystrophy PPCD
- Epithelial downgrowth (z.B. n. penetrierendem Trauma)
- Phakomorphe Engwinkelsituation
- aphaker oder pseudophaker Pupillarblock (Glaskörper, Synechien, fibröse Adhäsionen, Vorderkammerlinse)
- Nebenwirkung von Medikamenten
- Topiramat (Migräne-Medikament und Sulfonamid -> suprazilliäre Effusion -> Schwellung des Ziliarkörpers -> anteriore Rotation des Linsen-Iris Diaphragmas. Typischerweise bilateral, 2 Wochen nach Therapiebeginn
- Schwellung der Choroidea (nach extensiver Argonlaser-Koagulation der Netzhaut, Scleral Buckle, retinalem Venenverschluss)
- Malignes Glaukom (= aqueous misdirection syndrome)
- Entwicklungsstörung: Axenfeld-Rieger syndrom, Peters-Anomalie etc.
Risikofaktoren
- Alter, Ostasiatische Herkunft, weiblich, Hyperopie, postivie Familienanamnese
- Zustand nach Applikation topischer Mydriatika -> löst Winkelblock aus
- Abnormale Konfiguration der Iris, anteriore Insertion der Iris, kleine Achsenlänge (Hyperopie)
Diagnostik
- Bindehaut: Injektionen
- Hornhaut: mikrozystisches Epithel-/Stroma-/Endothelödem
- Vorderkammer: flach besonders peripher, Partnerauge mit ebenfalls flacher Vorderkammer, bestehende Iridotomie
- Iris Pupille: mittelweit lichtstarr, erweiterte Gefässe, Transillumination, PEX, Pigmentdispersion
- Linse: Pigmentbeschlag, dick, trübe
- Funduskopie: Vermehrt exkavierte Papille, Papillenrandblutung
- Gonioskopie: verschlossener Kammerwinkel > 180°
- Tonometrie: erhöhter Augendruck
Diagnose
Engwinkelglaukom, Winkelblockglaukom, Pupillarblock
Therapie
Umgehender, paralleler Therapiebeginn
- Diamox 250mg Tbl 2x
- KI bei Topiramat-, Sulfonamid-induziertem sekundären Winkelblock
- auslösendes Medikament sisiteren, Atropin 0.5% 4x/Tag
- Kalium
- Cosopt S AT 1x, wiederholen nach 30 Min
- Iopidine 1% AT 1x, wiederholen nach 30 Min
- Spersacarpine 2% AT 1x alle 5 Min 4x, dann alle 10 min 3x
- KI bei aphakem oder pseudophakem Pupillarblock
- Mydriatikum und Zykloplegie (und Cyclogyl 0.5% alle 5 Minuten, 8x)
- Pred Forte AT AT 1x alle 15 imn 4x
Nach 30 Min palpatorische Druckmessung, falls > 35 mmHg
Nach 30 Min applanatorische Druckmessung, falls > 35 mmHg
Bei persistierend erhöhtem IOP -> LIT notfallmässig durchführen
Bei ausbleibender Drucksenkung nach LIT -> zeitnahe Kataraktoperation/chirurgische Iridektomie/Trabekulektomie evaluieren
Procedere
- Tägliche Nachkontrollen (IOP, Vorderkammerzellen)
- LIT 1-5 Tage nach dem Anfall
- LIT am Partnerauge (cave 40-80% Risiko für Winkelblock innerhalb von 5-10 Jahren)
- Patientenaufklärung wichtig, dokumentieren falls abgelehnt wird
- Nachkontrollen wöchentlich bis monatlich, später mit Gesichtsfeld- und OCT P und Foto
- Bei phakomorphem Glaukom -> Kataraktoperation sobald IOP und intraokulare Entzündung kontrolliert sind
Prognose
- LIT kann endgültige Lösung für das Partnerauge sein
- Durch den Glaukomanfall entstehen in der Regel Schäden im Kammerwinkel und am Trabekelwerk, sodass ein chronisches Stadium erreicht wird und danach eine Dauerbehandlung notwendig ist