Bestimmung von asphärischen, torischen und multifokalen IOLs
Dr. Valéry Vinzent Wittwer
Durch die Kataraktoperation wird die natürliche kristalline Linse entfernt und eine künstliche Linse (IOL) implantiert, dies während einer einzigen Operation. Die Brechkraft der IOL muss also im Voraus bestimmt werden. Folgende Parameter werden zur Bestimmung der IOL-Stärke verwendet:
Achsenlänge (AL) in Millimeter
Keratometriewerte (K) in Dioptrien
Vorderkammertiefe (ACD) in Millimeter
Für eine genauere Bestimmung wird in neueren Formeln (vierte und fünfte Generation) auch die prognostizierte IOL-Position (Effective Lens Posision) im Auge vorhergesehen, mittels ray-tracing, künstlicher Intelligenz oder Regression
Zielrefraktion
Ferne (Emmetropie): Brennpunkt in der Ferne (> 6 Meter bis unendlich) zum Fernsehen oder Autofahren ohne Brille -> 0 Dioptrien
mittlere Distanz (leichte Myopie) für PC-Diszanz und zum Lesen der Zeitung auf dem Tisch oder für Monovision: Brennpunkt in mittlerer Distanz -> -1.5 Dioptrien (66 Zentimeter)
Lesedistanz (Myopie) für Lesen von Büchern -> -2.0 (50 Zentimeter) bis -2.5 Dioptrien (40 Zentimeter)
Monovision
Führungsauge bestimmen
Monovision mit Probierfassung ("Steckbrille") testen
1. Beide Augen für die Ferne auskorrigieren, Zielrefration 0 Dioptrien
2. nicht dominantes Auge für die Nähe korrigieren mit+1.5 (konvexes Plus-Glas)-> Zielrefraktion -1.5 Dioptrien
3. Patient mit der Probierfassung in die Ferne (Visustafel) und in die Nähe (Leseprobe) sehen lassen
4. Patient mit der Probierfassung ins Wartezimmer schicken und aufklären, dass er umher sehen soll und mit der Probierfassung spazieren soll um einen räumlichen Eindruck von Monovision zu erhalten
5. Rückmeldung vom Patienten evaluieren
Positives Feedback: Es gehe gut, anfangs noch ungewohnt dann nach ein Paar Minuten schon relativ angenehm -> OP kann geplant werden
Positives Feedback aber: Patient ist sehr unsicher -> Kontaktlinsenversuch
unklares Feedback: Es gehe aber sei sehr ungewohnt -> Kontaktlinsenversuch oder multifokale IOLs
Negatives Feedback: Sehe weder fern noch nah scharf, müsse ein Auge schliessen um mit dem andren scharf zu sehen, könne Distanzen nicht abschätzen -> multifokale IOLs
Monovision mit Anisometropie von mehr als 1.5 Dioptrien
Reduzierte dreidimensionale Wahrnehmung
Grundsätzlich nur bei:
Vorbestehender Anisometropie
Amblyopie
Korrektur von Asitgmatismus bei Monovision
Unterkorrigieren am Auge für die Nähe (0.5 Dioptrien Astigmatismus belassen)-> verbesserte Tiefenschärfe
Cave: Eine neue Anisometropie kann die Fusion der Augen erschweren und somit ein latentes Schielen (Phorie) verstärken -> testen mit Probierfassung
Simulation mit Kontaktlinsen
Falls Monovision vom Patienten erwünscht ist aber dieser sich nicht sicher ist soll ein Kontaktlinsentrageversuch duchgeführt werden
Ab einem Astigmatismus von 1 Dioptrie soll dieser durch die Kontaktlinse ebenfalls korrigiert werden (ONO: in Wallisellen können diese Kontaktlinsen von den Optikern bestellt werden)
ONO: Patienten, die keine Erfahrung mit dem Einsetzen von Kontaktlinsen haben können sich diese an einem Morgen in Walliselen einsetzen und am Abend wieder entfernen lassen
"Mix and Match"
EdOF-IOL am nicht-Führungsauge mit Zielrefraktion -0.5 bis -1.5
Aberrationen höherer Ordnung werden am nicht-Führungsauge besser vertragen, das Führungsauge hat mit asphärischen IOLs keine Aberrationen
Patient möchte nach der Kataraktoperation in die Ferne scharf sehen -> Binokulare Fernsicht (s. 1-5)
Patient möchte nach der Kataraktoperation mit dem rechten, führenden Auge in die Ferne scharf sehen und mit dem linken Auge am Bildschirm arbeiten -> Monovision (s. 6.) (ONO-Guideline: Nur bei Paket "Vision" oder "Prime" möglich)
1. Normale Achsenlänge (22-24.5mm) 2. Normale K-Werte (41.5-44 Dioptrien) 3. Astigmatismus < 0.7 Dioptrien 4. Augen rechts: IOL für Emmetropie +23.0 ergibt eine Refraktion von +0.06 (am nahesten bei Null) 5. Auge links: +23.0 ergibt eine Refraktion von +0.09 Dioptrien (am nahesten bei Null) 6. Auge links (adominant) für Monovision: +25.0 ergibt eine Refraktion von -1.39 Dioptrien (Zielrefraktion -1.25 bis -1.5 Dioptrien)
Topographien die starkt schwanken -> progressive Keratektasie ausschliessen
Zustand nach Keratoplastik (DALK/PKP)
Astigmatismus soll an der Hornhaut korrigiert werden (neu Vernähen, Interface eröffnen)
ggf. Add-on-Implantation/PIOL implantation vor die sphärische/asphärische IOL
Progresives Pterygium -> 1. Pterygium-Exzision 2. Abwarten bis Topographie stabil ist (mind. zwei Topographien nach drei Wochen und nach sechs Wochenn) 3. ggf. tIOL
Beispiel torische IOL
Patient hat eine Hornhautverkrümmung an beiden Augen und möchte binokulare Fernsicht , also mit beiden Augen scharf in die Ferne sehen (ONO-guideline: nur bei Paket "Vision" oder "Prime" möglich)
1. links (OD): Astigmatismus auf der Vorderfläche der Hornhaut (SimK) 1.4 Dioptrien, rechts davon Astigmatismus der Vorderfläche minus Astigmatismus der Rückfläche (Total Corneal Refractive Power, TCRP) > 0.7 Dioptrien -> torische IOL nötig 2. UDM 611 BB Toric (hat andere A-Konstante als die nicht-torische UDM 611 Rechtes Auge 3. sphärische IOL-Stärke: +19.5 ergibt eine Refraktion von -0.17 (am nahesten bei null) 4. IOL-Torizität von 2.0 ergibt ein Rest-Astigmatismus von -0.1 (am nahesten bei null) in 141° d.h. der Astigmatismus wird minim überkorrigert Linkes Auge 5. Sphärische IOL-Stärke: +19.0 ergibt -0.02 (am nahsten bei null) 6. IOL-Torizität: 2.5 ergibt -0.11 (am nahsten bei null) 7. Inzision von temporal 8. IOL-Implantations-Achse (annähern mit der Steilen Achse, da die IOL-Torizität ein Plus-Zylinder hat)
Korrekte führung der Krankengeschichte
Textbaustein "vc"
Procedere: Ad Phako-IOL durch X Paket: keines/ Basic/ Vision/ Prime/ Deluxe Ziel: binokuläre Fernsicht/ Nahsicht/ Monovision IOL: Monofokal asphärisch/ EdOF/ Hybrid EDoF-MF 1. OX, ZR plan 2. OX, ZR plan Cave: Monokel/ HPMC 2% am Tisch/ Klaustrophobie/ Allergien ASA-Risiko-Gruppe: I/II/III kein Hausarztbericht nötig (ASA I oder II und < 70 Jahre alt) Bericht an Hausarzt für Prämedikation (ASA III oder > 70 Jahre alt)
Textbaustein angepasst
Procedere: Ad Phako-IOL durch Dr. Muster in 4-6 Wochen (z.B. bei erhöhten Augendruck frühere Operation) Paket: Vision (er will keine Brille fürs Sehen in die Ferne) Ziel: binokuläre Fernsicht IOL: Monofokal Asphärisch UDM 611 BB Toric (bei Astigmatismus von > 0.7 Dioptrien ist eine torische IOL nötig) 1. OS plan, +19.5/2.5/141°vw (Kürzel des Arztes, der die IOL bestimmt hat) 2. OD, ZR plan +19.00/2.0/45°vw Cave: HPMC 2% am Tisch (bei reduzierte Endothelzellzahl)/ Klaustrophobie (braucht mehr Propofol)/ Allergien: Penicillin ASA-Risko-Gruppe: II (hat arterielle Hypertension und leichten Blutzucker beides gut eingestellt) Kein Hausarztbericht nötig (< 70 Jahre alt) (ist 69 Jahre alt)
Beispiele für IOL-Bestimmung nach ONO-Guideline
Beispiel Eintrag für Voruntersuchung Katarakt auf der Basis des Textbausteines "vc"
Hornhauttomographie mittels Pentacam® Rechtes Auge Beurteilung: einer relativ regulärern Astigmatismus gegen die Regel
-> torische IOL indiziert
Werte für IOL-Kalulkation
Linkes Auge Beurteilung: regulärer Astigmatismus gegen die Regel
-> torische IOL indiziert
Daten aus der Topographie
IOL Kalkulation mit Pentacam ALX®
Strukturiertes Vorgehen zur IOL-Bestimmung
1. Übersicht
Überprüfen ob die Inzision stimmt (temporal, superior, superotemporal)
Implantationsachse = steile Achse resp. Pluszylinder (Refraktion ist immer Minuszylinder -> flache Achse)
2. Bestimmung der sphärischen Komponente der IOL
möglichst nah bei Null (hier +22.0 Dioptrien -> Zielrefraktion -0.09)
3. Bestimmung der Torizität
IOL-Torizität 1.0, 1.5, 2.25 Dioptrien -> Astigmatismus wird unterkorrigiert -> negativer Rest-Astigmatismus bleibt in der Achse der Refraktion
möglichst nah bei Null auch wenn es zu einer kleinen Überkorrektur kommt (dies ist bei der Brillenanpassung kontraindiziert, nicht aber bei IOLs)
3.0 Dioptrien -> Astigmatismus wird leicht überkorrigiert -> Achse des Rest-Asti dreht also um 90° auf 4° (entsprechend der steilen Implantationsachse)
Durch die Ablation an der Hornhaut hat sich die Kurvatur resp. die K-Werte verändert was dazu führt, dass die üblichen Formeln für die IOL-Kalkulation nicht stimmen.
Es gibt mehrere Formeln, welche diese Veränderungen berücksichtigen. Auf der IOL-Berechnungsplattform von der ESCRS werden simultan mehrere Formeln verwendet, abhängig von den Daten die bekannt sind. Je mehr Daten bekannt sind, desto genauer wird die Kalkulation. Idealerweise werden vom Patienten die alten K-Werte und Brillenwerte eingeholt um die Kalkulation zu optimeiern.
links: IOL-Berechnung nach LASIK/PRK wegen Kurzsichtigkeit Mitte: wegen Weitsichtigkeit rechts: nach radiale Keratotomien
Maske für die IOL-Berechnung ausfüllen -> Vertex distance (Hornhautscheitelabstand) 12 mm -> Device Keratometric Index (n) 1.3375
1. Personalien von Arzt und Patient 2. Pre-LASIK/PRK Daten (aus alten Akten) 3. Post-LASIK/PRK Daten (aktuelle Messwerte) -> für Pentacam s. unten 4. Biometrie-Daten
Pentacam -> Aus der Topographie -> corneal Brechkraftvrerteilung -> Tru Net Power bei 4.0 mm
-> aus der Biometrie entnehmen (wichtig: VK int. respl. Vorderkammertiefe intern)
Besonderheiten
Sollte der Patient durch seinen früheren refraktiven Eingriff eine dezentrierte oder kleine optische Zone haben, dann ist es sinnvoll die Zielrefraktion leicht in die Hyperopie zu zielen. Ein folglich hyperopes Ablationsprofil ist in diesem Falle besser geeignet um die Topographie in einem weiteren Schritt mittels Excimerlaser-Ablation (retreatment) zu regularisieren und zu vergrössern.
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